Das Sammeln der Erden
In den letzten 12 Jahren erhielt ich Erde, Steine, Sand, Muscheln... Von Reisenden, Geologen, Stiftungen, Diplomaten, NGOs, Unternehmen, bekannten und unbekannten Menschen. Eine unglaubliche Fülle an Geschichten, Erlebnissen und beeindruckenden Persönlichkeiten. Jede Erde dieses Projekts hat ihre eigene Geschichte.
Am Ende war es eine Schubkarre voll Post
Das Sandbild der alten Dame
Ich bekam häufig Anrufe oder Besuch. Einmal kam eine ältere Dame bei mir vorbei und schenkte mir ein Sandbild aus den Vereinigte Arabische Emirate. Auf dem vordersten Glas waren Kamele gemalt, und zwischen den folgenden Scheiben waren alle Sande der 7 Vereinigten Emirate verteilt. Kippt man das Bild verändern sich die Sanddünen. Wir tranken Kaffee, und sie erzählte spannende Geschichten von ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit als Lehrerin in Saudi-Arabien.
...mit vielen bunten Briefmarken
Die afrikanische Eisenbahnstrecke
Von der Eisenbahnstrecke zu einer Erzmine erhielt ich Erde mit einem Brief wie ausbeuterisch mit den Arbeitern der Mine umgegangen wird. Am selben Tag ging ich zum Boule spielen, und ein Bouler Kollege der mich noch niemals zum Projekt befragt hatte, wollte wissen wie es so läuft. Ich meinte: "Heute habe ich Post aus diesem afrikanischen Land erhalten, von jener Zugstrecke." Er war ziemlich verblüfft, und erzählte, dass er in jungen Jahren zur See gefahren war. Sie brachten damals die ersten Schwellen für genau diese Zugstrecke von Südamerika in das afrikanische Land. Damals wurden alle Besatzungsmitglieder vom Präsidenten des Landes begrüßt.
...mit exakten GPS Angaben
Die Sammlung eines Lebens
Ein älteres Ehepaar, dass seine Wohnung auflöste, hatte von dem Projekt in der Zeitung gelesen. Ich wurde eingeladen, sie zu besuchen. Im Wohnzimmer standen über 60 hohe, schmale Olivengläser, gefüllt mit Sand aus vierzig verschiedenen Ländern. Die Sammlung eines langen Lebens. Sie sagten zu mir: "Wir lösen unsere Wohnung auf, und die Vermischung der Welt ist der richtige Ort für die vielen Geschichten, die mit unserer Sammlung verbunden sind.
Zum Glück erhielt ich diese Sammlung erst, als ich selbst schon über hundert Länder gesammelt hatte. Es wären mir sonst einige ungewöhnliche Kontakte entgangen. Von diesen gut vierzig Ländern hatte ich vier noch nicht.
...und Hilfe von nicht erwarteter Seite
So viele verschiedene Orte
Einige Länder bekam ich zehnmal. Von Spanien gibt es bestimmt eine Bauschaufel voll. Manche verstanden unter Teelöffel auch eher eine Suppenkelle. Die Erde wurde mit bergsteigerischen Mitteln eingeholt, vom Meeresboden ertaucht, von Albert Schweitzers Bootsanlegestelle geschickt, oder kam vom Ort eines katastrophalen Erdbebens.
Sie wurde gesammelt an heiligen Stätten mit indigener, buddhistischer oder christlicher Geschichte. Von einer Stelle an der die Unabhängigkeitserklärung eines Landes verlesen wurde, oder vom zentralen Punkt einer Megacity. Vom Rollfeld eines Flughafens eines diktatorischen Landes hinter der Zollkontrolle - mit der Hand zusammengewischt, inklusive Plastik und Zigarettenkippen.
...von Bergen, Wüsten, dem Meeresgrund
Es sprengt den Raum hier alles zu erzählen. Jede Erde hat ihre eigene Geschichte. Die Erden kamen von Reisenden, Geologen, Stiftungen, Diplomaten, NGOs, Unternehmen, bekannten und unbekannten Menschen. Bei manchen Erden lag zwischen dem Erstkontakt bis zu dem Zeitpunkt an dem die Erde bei mir eintraf 12 Monate. Ich musste immer am Ball bleiben.
...von Bekannten und Unbekannten
Auf jeden Fall sage ich:
"DANKE VON HERZEN!"
...an alle, die dabei geholfen haben, den ersten Schritt des Projektes zu verwirklichen.
Mein Laptop und das Goethe-Institut
Ich fing also an! Platzierte meinen Laptop auf dem Küchentisch (für die nächsten drei Jahre) und schickte als eine der ersten Mails eine an das Goethe -Institut. Mit der Bitte um einen Teelöffel voll Erde/Sand aus einem Land der Welt.
Die Antwort war: Super Projekt, machen wir." Ich dachte mir: Klasse! Zufälligerweise wusste ich, dass es weltweit viele Goethe-Institute gibt.
Schlaumeiermäßig schickte ich an jedes Institut eine Mail mit der Bitte um Erde. Die Antwort kam rasch und bündig "Aber Hallo - ein Land ja, aber nicht mehr." Da wusste ich, das ich ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen war.
Wie lässt sich Völkerverständigung und Globalisierung greifbar darstellen? Am besten durch das Sammeln von Erde aus allen UN-Vollmitgliedstaaten. Menschheit und Erde sind auf das innigste miteinander verbunden. Jede Erde aus jedem Land der Welt ist "anders". Sie hat eine eigene Farbe und Struktur. Sie ist ein Zeugnis der Menschen des Landes, ihres Wissens, ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart.
Global ist das Element Erde ein Datenspeicher von fast 9 Milliarden Menschen, die alle "anders" sind. Das "Anders sein" zu sammeln und durch das Vermischen einen Akt der Befreiung und der Völkerverständigung aufzuzeigen, war das Ziel.